Marcel Bontempi – Stompin The Art!!!

Marcel Bontempi an der Arbeit

Marcel Bontempi - Grafiker, Musiker, Berufsjugendlicher! Der in Gudensberg lebende Marcel Bontempi ist vielen sicherlich durch Bands wie »The Montesas«, »Dr. Bontempi’s Snake Oil Company« oder durch seine musikalischen Soloprojekte bekannt, aber noch mehr Leute dürften ihn bzw. seine Arbeiten als Künstler kennen. Ob Cover-, Plakatgestaltung, Artwork oder Bühnenbild - seine Vielseitigkeit und wunderbaren Arbeiten haben ihn schon lange zu einer festen Größe im Bereich der Rock’n’Roll Illustratoren gemacht. Grund genug ihn und seine Arbeiten einmal näher vorzustellen.

Es macht Spaß die Vielseitigkeiten und persönlichen Stile verschiedener Künstler zu sehen, sich deren Arbeiten anzuschauen und dem Ganzen durch ein kleines Gespräch noch einen ganz persönlichen Rahmen zu geben, so wie in dieser Artikelreihe »Rock’n’Roll Artwork und seine Künstler«. In unserem zweiten Teil unserer Artikelreihe widmen wir uns dem Künstler »Marcel Bontempi« und seinen beeindruckenden Arbeiten voller Farbharmonie, erstklassigen Umsetzungen und der Spur Augenzwinkern und Humor, welche seinen Illustrationen ihren ganz eigenen und wunderbaren Charme geben.

Kontakt:
Webseite: Marcel Bontempi Artwork
bei Facebook: Marcel Bontempi
bei YouTube: Der Musiker Marcel Bontempi

Interview

rockin and rollin: Marcel, magst du dich einmal kurz vorstellen?

Marcel Bontempi: Gestatten: Bontempi, Marcel Bontempi, der "Dig-A-Hole" und "Hotzenplotz"-Typ, außerdem der "Schwarze-Katzen"-, "Kopflose-Reiter"- und generell der "Hexen"-Typ.
Aber auch der Trottel, der glaubt es wäre sinnvoll, um 6 Uhr morgens noch einen Mojito zu bestellen. Ja, genau DER!

rockin and rollin: Wie war dein Weg zum Rock’n’Roll und der Szene?

Marcel Bontempi: Oh mein Gott, das ist schon so lange her... ich kann mich erinnern, wir fingen irgendwie in der Schule als Gruppe an - wer genau den Virus zum Aufkeimen brachte, weiß ich nicht - irgendwie lag das in der Luft. Plötzlich waren nicht mehr die Sportler die Könige auf dem Schulhof, sondern man konnte selbst seinen Status erhöhen, indem man einfach ziemlich verrücktes Zeug gehört hat. Und man hat sich Schritt für Schritt fortgebildet - jeden Tag mehr Zusammenhänge erfahren und begriffen - bei jedem Besuch im WOM (World Of Music in Frankfurt auf der Zeil) mehr Interpreten und Spielarten des RnR kennengelernt. Gott, wie wir ausgeflippt wären, wenn wir alles gleich im Internet hätten finden können! Aber vielleicht auch gut so - wir haben für jedes Lied und für jeden Interpreten noch kämpfen müssen damals.

rockin and rollin: Marcel, auch wenn ich mich bei diesem Interview auf den Künstler Marcel Bontempi konzentrieren möchte, kann ich einfach nicht anders und kurz einmal zu dem Musiker Marcel Bontempi. Ein paar Worte zu »The Montesas«, in Richtung Erfolg, Spaßfaktor, Ausgleich und coming soon!

Marcel Bontempi: Also vorweg: Ohne Musik geht es einfach nicht. Außerdem würde ich ohne musikalischen Werdegang mit viel Glück in einer Werbeagentur sitzen und evtl. mehr Geld verdienen - aber bestimmt weniger Spaß haben. Auf Tour mit einer zünftigen Band - das kann jeder Musiker bestätigen - erlebt man einfach die unglaublichsten Sachen. Nichts ist berechenbar - was man für eine sichere Sache hielt, entpuppt sich als Flop, dem man doch noch gute Seiten abgewinnen kann - und im Vorfeld für gescheitert erklärte Aktionen entwickeln sich zu haarsträubenden Abenteuern. Und zur Beruhigung: Manchmal und auch größtenteils besteht das Musikerdasein aus WARTEN! Und beim Warten lernt man die Marotten seiner Mitmusiker kennen - aber, wenn man es gut getroffen hat, kann man sich schönen Quatsch ausdenken und jede Menge Spaß haben. So geschieht es auch z.B. mit den Montesas, die ja schon ein alter Hut sind. Aber wir sind trotzdem noch einige Male im Jahr unterwegs und es ist jedes Mal wieder ein Riesenspaß!
In der Pipeline sind einige Solodinger; die mit Stammesreligion zu tun haben, aber PSST!

rockin and rollin: Musiker und Künstler, was war zuerst da und wie ergänzen sich für dich beide Seiten?

Marcel Bontempi: Also der Zeichner und grafische Gestalter, der steckte mir schon als Kleinkind in den Knochen. Im Teenager-Alter fing das dann mit der Gitarre an - und hat mich dermaßen angefixt - ich konnte nicht mehr davon ablassen. Bis noch vor ca. zehn Jahren konkurrierten beide Neigungen miteinander - aber schließlich wurde alles gut - beides ergänzt sich einfach fabelhaft. Man kommt als Musiker herum, lernt viele Bands und Veranstalter kennen - genau die Zielgruppe für das Gros meiner grafischen Arbeiten. Umgekehrt werden auch Veranstalter über meine Plakate auf meine Musik aufmerksam.

rockin and rollin: Als Künstler bist du sehr vielseitig, sei es Gestaltungen zu Cover, Konzertplaketen, Flyer, Logos usw., aber auch kleine Sketche oder z.B. deine Art Prints. Sowohl deine Vielfalt wie auch deine Umsetzungen bleiben abwechslungsreich. Wie wichtig ist dir als Künstler Abwechslung in Projekten und neue Herausforderungen?

Marcel Bontempi: Ich habe eine natürliche Abneigung dagegen auf "Nummer sicher" zu gehen - sowohl in der Grafik als auch in der Musik. Auch wenn sich Dinge bewähren, ist das für mich noch lange kein Grund, diese Dinge ewig zu wiederholen. Gerade im grafischen Bereich gibt es so viele Möglichkeiten und Techniken. Ich versuche ständig dazuzulernen und gerade bei Aufträgen, die in ihrer äußeren und thematischen Form recht ähnlich sind (z.B. Plakate für RnR-Konzerte) wirkt es absolut erfrischend, sowohl auf mich wie hoffentlich auch auf den Betrachter, einen neuen Stil oder eine neue Technik anzuwenden.

rockin and rollin: Acryl, Bleistift, Kreide, Öl, usw. ... als Künstler sind die Entfaltungsmöglichkeiten sehr vielseitig. Welche Techniken ziehst du vor und warum?

Marcel Bontempi: Früher habe ich viel in Öl gemalt - heute ist Acryl mein klarer Favorit. Mit Acryl kann man einfach alles machen - lavierend malen wie mit Aquarell, pastos wie im Ölschinken, aber auch deckend und haarscharf wie bei einem klassischen Werbe- oder Plakatdesign.
Obendrein trocknet es sehr schnell und man verdünnt und säubert mit Wasser.
Siebdruck und auch das Arbeiten mit verschiedenen "Layern" oder Farbebenen finde ich aktuell extrem spannend. Ich habe mir gerade einen Stapel alter Superhelden-Comics auf dem Flohmarkt gekauft und bin fasziniert von den CMYK-Farbmischungen aus der prädigitalen Zeit.
Abgesehen davon schlägt nichts eine einfache Zeichnung mit Tusche und Pinsel.

rockin and rollin: Wie muss man sich aus der Sicht des Illustrators die Umsetzung vom Erhalt des Auftrages bis zur fertigen Umsetzung eines CD-Covers oder Konzertplakat vorstellen und wo liegen da die ganz besonderen und persönlichen Herausforderungen?

Marcel Bontempi: Der Kunde kontaktiert mich (z.B. über Faxenbuch), gibt mir die Eckdaten (Was? Wo? Wann?) und sagt mir, dass es vorgestern fertig werden muss. Ich erkläre ihm, dass es erst am nächsten Morgen fertig wird und nenne den Preis. Generell ist es gut, wenn der Kunde schon eine Idee vom Produkt hat, wie es UNGEFÄHR aussehen und in welche Richtung die Reise gehen soll. Oftmals erweist es sich auch als gut, wenn der Kunde von der ursprünglichen Idee abweichen kann und sich auf mich einlässt. Schwierig ist es manchmal, dem Kunden das Copyright verständlich zu machen, das immer noch beim Verfasser oder Schöpfer liegt. Rechtlich gesehen kauft der Kunde lediglich das Verwendungsrecht einer Grafik für ein Projekt, auch wenn die Grafik extra für diese Verwendung angefertigt worden ist. Wird z.B. von einem LP-Design ohne zu fragen ein T-Shirt-Design zum Verkauf angefertigt, muss das mit mir abgesprochen werden und ein weiteres Verwendungsrecht gekauft werden. Das hat nichts mit Geldmacherei zu tun, sondern ist der korrekte Umgang mit dem Copyright.

rockin and rollin: Was war für dich als Künstler bisher die größte Herausforderung und warum?

Marcel Bontempi: Also das Spektakulärste und Herausforderndste bis jetzt war die Ausstattung und das Bühnenbild für die "Hotzenplotz"-Aufführung im Landestheater Coburg. Das war so unglaublich facettenreich im Design - von kleinen Gegenständen wie Messer bis zu riesigen Bühnenbildern, von zweidimensionalen Objekten zu Vorhängern und dreidimensionalen Objekten. Außerdem war es spannend zu sehen, wie eine stringente Design-Idee langsam zum Leben erwacht, und schlussendlich als stimmiges Gesamtbild ein Theaterstück prägt. Unvergessen der Moment im großen Malsaal des Landestheaters - wo die Maler/innen diese riesigen Bühnenbilder nach meinen Vorlagen exakt nachgezeichneten, mit Hilfe eines riesigen Rasters aus Seilen und großen, an langen Stöcken befestigten Pinseln. Ich habe als Quereinsteiger in die Bühnenbildnerei einfach wahnsinnig viel dazugelernt. An dieser Stelle muss ich dem Regisseur Thorsten Köhler danken, diesen mutigen Schritt mit mir gegangen zu sein. Ich kann mir vorstellen, dass es ihn eine Menge Überzeugungsarbeit und Mut gekostet hat, einen Berufsfremden im Theater anzustellen - gegen alle Regeln der Kunst. Ich glaube, der frische Wind hat dem Stück sehr gut getan. Da können wir in Deutschland meiner Meinung nach eh dazulernen; andere Länder haben keine so strikte Trennung zwischen der hehren, klassischen Kunst und der Populärkultur.

rockin and rollin: Was ist für dich selber als Künstler bei einem Projekt sehr wichtig?

Marcel Bontempi: Also ideal ist es für mich, wenn die Sache mir selbst gefällt, ich zu 100 Prozent hinter dem Projekt stehen kann, und wenn mir der Auftraggeber zwar eine Initialzündung gibt und evtl. schon einige lose Ideen und Vorstellungen hat, mir aber die Freiheit lässt, wenn nötig davon abzukommen und etwas gänzlich anderes zu schaffen. Manches Mal führt der Weg dann auf wunderliche Weise wieder zur ersten Idee zurück - aber gereifter und sicherer.

rockin and rollin: Deine Illustrationen haben immer einen Hauch von Humor und Selbstironie, welches einfach nur ein Genuss ist. Wie kommst du auf die Ideen und hat der Part eventuell etwas damit zu tun, dass du vielleicht persönlich das Leben auch immer mit einem Augenzwinkern siehst?

Marcel Bontempi: Oh, vielen Dank für die Blumen. Abgesehen davon, dass ich auch ein cholerischer Kotzbrocken sein kann, weiß ich, dass es von Vorteil ist, alles mit Humor zu sehen – vor allem sich selbst und das, was man tut. Diesen Grundhumor sollte man schon haben, besonders in einer Branche, wo so viel schiefgehen kann. Eventuell ist das auch etwas, was ich bei der Musik gelernt habe.

rockin and rollin: Deine Arbeiten runden sich perfekt durch das dazugehörige Farbspiel ab, du bleibst dabei, aus meiner persönlichen Sicht, eng in einen passenden »Vintagerahmen«. Wodrauf beziehst du bei einem Projekt deine Farbwahl?

Marcel Bontempi: Du hast genau den zentralen Punkt angesprochen: Die Farbgebung ist das allerallerschwierigste. Wie lange ich schon an Designs gesessen und die Farben hin- und hergeschoben habe. Im Grunde - je weniger Farben, desto besser - aber auch umso schwieriger. Es ist ein Dilemma. Bis heute ist die Farbgebung immer noch ein bisschen "Try & Error" bei mir. In der Regel verwende ich nur Farben, die klar sind - selten trübe.

rockin and rollin: Einen »Bontempi« erkennt man, wenn man ihn sieht. Wie wichtig ist dir diese künstlerische Identität?

Marcel Bontempi: Das höre ich immer wieder, und ich muss sagen, ich kann es nachvollziehen, wenn ich durchatme und mir meine Sachen mal aus der Ferne betrachte. Das war nicht geplant, hat sich aber ergeben und als großes Glück herausgestellt. Das sogenannte Alleinstellungsmerkmal bietet viele Vorteile - allerdings nur, wenn man sich nicht auf dem einmal funktionierenden Design ausruht.

rockin and rollin: Wenn jemand mit den Gedanken spielt, eventuell als Illustrator im Rock’n’Roll Bereich sich beruflich zu orientieren, was würdest du ihn aufgrund deinen Erfahrungen als Ratschlag auf dem Weg geben?

Marcel Bontempi: Also erstmal würde ich ihm davon abraten - die Aufträge würden mir ja verlorengehen 😉 Nein, im Ernst: "Illustrator im Rocknroll-Bereich" und "beruflich" schließt sich aus. Das kann man evtl. aus "Berufung" machen, oder aus Idealismus - aber Geld sollte man woanders verdienen. In jedem Fall, ich kann nur sagen: Scheuklappen runter und Augen weit auf, sehen, staunen, lernen... Aktzeichnen, Typographie, Alte Meister (Von Picasso bis Mary Blair) und neue Meister und Designs - vergiss alle Klischees und vor allem: Vergiss alles Digitale, beherrsche den Pinsel und den Stift. Ich selber bin noch weit von dem entfernt, was mit Pinsel und Stift grafisch und typografisch möglich ist - aber ich habe das Gefühl auf dem Weg zu sein.

rockin and rollin: Welches war bisher dein Lieblingsprojekt und warum?

Marcel Bontempi: Eigentlich ist immer das aktuelle mein liebstes Projekt - es gibt immer etwas Neues zu lernen oder zu machen. Manchmal muss man sich natürlich auch zwingen; es fließt nicht immer einfach so raus. Es kann auch wirklich sehr harte Arbeit sein und es werden einem die Vorteile einer geregelten Arbeit klar, bei der man morgens das Haus verlässt und abends wieder heim kommt. Wenn man zuhause arbeitet, hat das seine Vorteile, aber man hat NIE frei.

rockin and rollin: Für welchen Künstler oder für welche Band würdest du gerne einmal ein Cover umsetzen?

Marcel Bontempi: Das ist vielleicht überraschend - aber das ist letztendlich vollkommen egal. Hauptsache, der Titel der Veröffentlichung oder der Bandname lassen einem viel Raum, um Geschichten bildnerisch darzustellen. Ich glaube, am liebsten sind mir "kleine", eher unbekannte Bands - wenn sie unkompliziert sind. Und als Format sind Vinyl-Hüllen der CD-Hülle vorzuziehen. Aber zwischen Sonny Burgess und ner kleinen Punk-Band ist alles drin.

rockin and rollin: Welche Projekte setzt du als Künstler derzeit um und was wird demnächst von dir zu sehen sein?

Marcel Bontempi: Ich arbeite seit Längerem an der Inneneinrichtung einer Bar in Leipzig, dem "Naumanns", das an den berühmten „Felsenkeller“ angeschlossen ist. Die Bar ist immer noch im Entstehen - die Umsetzung dauert länger als geplant, weil sowohl die Besitzer als auch ich an mehreren Baustellen gleichzeitig arbeiten. Aber die Sache ist auf einem guten Weg und ich bin guter Hoffnung, dass das Naumanns bald nach Plan aussehen wird und die alte Sammlung an skurrilen Gegenständen der Gebrüder Naumann sowie die Schätze, die wir aus dem Felsenkeller geborgen haben (unter anderem das Banner eines Geheimbundes), einen gebührenden Platz bekommen werden.

rockin and rollin: Marcel, ich danke dir sehr für das Interview!

Marcel Bontempi: Ich habe zu danken!

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