Filmkritik: Rockabilly Requiem

BRD 1982: Hubertus und Sebastian wollen niemals so werden wie ihre Väter. Die Musik und ihre gemeinsame Liebe zu Punkprinzessin Debbie sind die einzigen Möglichkeiten, dem Mief von Bohnerwachs und Spießigkeit zu entkommen. Als eine coole Rockabilly-Band nach einer Vorband für ihre Tournee sucht, ist klar: Das ist die Chance, allen Zwängen zu entfliehen! Doch Hubertus Vater versucht alles, um die musikalischen Gehversuche seines Sohnes zu verhindern. Als sie zum Vorspielen eingeladen werden, eskaliert die Situation.

Rockabilly Requiem

Originaltitel: Rockabilly Requiem
Herstellungsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2016
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
DVD
erhältlich bei: Amazon

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Filmkritik von Chris Weidler

Inhaltsangabe:
Anfang der 80er-Jahre: Während für einige Jugendliche der Punkrock das Maß aller Dinge ist, leben Sebastian und Hubertus ihre Liebe zur Rockabilly-Musik der Fifties aus. Dabei folgen sie nicht weniger radikal ihrem Drang nach Freiheit, als die Punks. Ihre Band "die Rebels" könnte auch kurz vor ihrem kleinen Durchbruch stehen. Alles was dafür noch fehlt ist ein Demotape. Doch nicht nur ihre aggressiven Väter, auch die Liebe zu Groupie Debbie, stellt die beiden Jungs auf eine harte Probe.

Anfang der 80er, keine Handys, Laptops oder groß Computer. Eine Zeit, in der man sich noch spontan auf das Bike oder in die Kiste geschwungen hat um spontan zu einem Konzert quer durch Deutschland und noch weiter gekurvt ist, um die Bands an einen geilen Abend zu erleben. Die Musik wurde gelebt, war nah und intensiv. Eine Zeit wo Freundschaft, Werte und Träume miteinander kollidierten.
Die Freunde Hubertus und Sebastian wollen alles, aber eines absolut nicht - so zu werden wie ihre Eltern - spießig, in festen Bahnen gefesselt, wichtig, was die Nachbarn denken.
Doch es ist nicht einfach, der bürgerlichen Realität zu entkommen. Hubertus extrem strenger Vater dominiert mit seiner absoluten Härte und diktatorischen Herrschaft über seine Familie, so wie Sebastians Vater mit Egoismus, Selbstmitleid, Unzuverlässigkeit, absoluter Schwäche und Unsicherheit seiner Familie mehr zu Last als Vorbild für seine Familie dasteht. Unterschiedlicher können die Familienbilder beider Freunde nicht sein, dennoch sind gerade diese familiäre Verlorenheit und die Liebe zur Rock’n’Roll Musik die Komponenten die beide Freunde dazu bringen gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Sebastian kämpft mit seiner Situation und versucht der kleinen Schwester die Vaterfigur zu ersetzen, während seine schwache Mutter mehr an sich als ihre Kinder denkt. Hubertus ist Sänger einer kleinen Newcomerband und möchte endlich erfolgreich mit seiner Musik sein und so seinen Eltern zeigen er findet seinen Weg. Dazu verbindet die beiden Freunde noch ihre Liebe zu der Punkerin Debbie, die den beiden vorlebt wie man seinen eigenen Weg geht und dabei die volle Unterstützung des Elternhaus zu haben. Da ergibt sich für Hubertus die große Chance aus seiner Teufelsbahn auszubrechen - die »Wild Black Jets« suchen eine Vorband für ihre Tournee. Hubertus setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um seinen Traum zu erfüllen und mit seiner Musik einen Weg aus seiner familiären Hölle zu finden.

Wer bei »Rockabilly Requiem« auf einen lockeren, oberflächlichen Musikfilm mit Schwerpunkt »Rockabilly« hofft, ist bei diesem Film völlig verkehrt. Bei »Rockabilly Requiem« geht es um Freundschaft, Generationskonflikt Familienbild, eigene Freiheit, Zukunftsängste, Selbstverwirklichung, Rebellion - die Verwirklichung eigener Träume! Aber genau das sind die Punkte, welche gelungen rüber kommen. Rockabilly ist hier der Träger von anders sein, ausbrechen, Revolte gegen den Elternhaus und einfach anders sein wollen kombiniert mit der hingebungsvollen Liebe zur Musik. Austauschbar, aber durchaus ein Eckpunkt Anfang der 80er und klasse als Träger des Hintergrundes implädiert.
Es hat nicht das Ende, was man erhoffte aber es bleibt plausibel, nachvollziehbar und gelungen. Die Schauspieler gehen in ihrem Rollen auf und können den Film glaubwürdig und sehr gut rüber bringen. »Rockabilly Requiem« ist emotional nah, stimmungsvoll gekonnt mit dem Feeling der 80er und dem Rockabilly verbunden. Die Jungs und deren Schicksale könnten absolut aus dem eigenen Freundeskreis sein und es das macht nachdenklich. Alles richtig gemacht mit dem Film. Klare Empfehlung für den, der mehr erwartet als einen Musikfilm und offen ist für ein wenig Tiefgründigkeit!

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