auf ein Bier mit Ted Herold

Ted Herold

Im Schaufenster eines Musikgeschäfts war Teds erste Schallplatte ausgehängt und ein Zeitungsartikel mit der Überschrift : “Unser Ted singt so gut wie der schöne Elvis”. Jemand übersetzte Elvis diesen Text , woraufhin Elvis Ted fragte : “ Hey, are you singing german or english ?”. Teds Antwort : “ German.”; Elvis : “Oh, that´s okay!”, gefolgt von einem kollegialen Klaps auf die Schulter.

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Teds Entdeckung:

Ted sah im Herbst 1956 in einem Berliner Kino den 1. Elvis-Film „Love Me Tender“ in der Originalfassung und war sofort hellauf begeistert vom großen Vorbild Elvis Presley. Teds Begeisterung gipfelte in dem Wunsch, zu Weihnachten eine Gitarre geschenkt zu bekommen. Ja, die bekam er: seine erste Gitarre - er übte schnell alle bekannten Rock´n´Roll-Songs ein und spielte nach Anfangserfolgen zuhause vor Mitschülern auch auf Schulfesten, Schulausflügen (wo die ersten Bänke zu Bruch gingen!), im Schwimmbad etc. Eine Klassenkameradin erzählte ihrem Vater, der bei einer Plattenfirma als Vertriebsleiter beschäftigt war, von Ted und und bat ihn, sich ihn unbedingt einmal anzuhören. Daraufhin lud er Ted zum Vorsingen ein - Probeaufnahmen in einem Studio waren die Folge. Im Sommer 1958 wurde die erste Platte im Hamburger Musikhaus unter Leitung von Bert Kämpfert
aufgenommen. Die Titel, beide im Original von Elvis, waren:
“Ich brauch´ keinen Ring” - (“Wear My Ring Around Your Neck”)
“Lover Doll” - (“Lover Doll”)

Treffen mit Elvis:

Eines Abends im Herbst 1958 stürmisches Klingeln bei Ted. Einige Kameraden standen aufgeregt vor der Tür: “Elvis ist in der Stadt!”. Sofort wurde losmarschiert - in einer Bad Homburger Eisdiele begann das Treffen. Elvis war sehr nett und gab bereitwillig beim Eisessen Autogramme. Nachdem man sich vorgestellt hatte, spazierte man gemeinsam in Richtung Ritters Parkhotel, wo Elvis´ Vater und Großmutter wohnten. Im Schaufenster eines Musikgeschäfts war Teds erste Schallplatte ausgehängt und ein Zeitungsartikel mit der Überschrift : “Unser Ted singt so gut wie der schöne Elvis”. Jemand übersetzte Elvis diesen Text , woraufhin Elvis Ted fragte : “ Hey, are you singing german or english ?”. Teds Antwort : “ German.”; Elvis : “Oh, that´s okay!”, gefolgt von einem kollegialen Klaps auf die Schulter. Man unterhielt sich bis zum Erreichen des Hotels - Teds Wohnung war genau gegenüber. Auf die vermessene Frage, ob Elvis sich nicht Teds Scheibe bei ihm schnell zu Hause ´mal anhören wolle, antwortete Elvis, daß er mit einem schon bestellten Taxi in die Kaserne müsse. Ted flitzte los und holte schnell seine Schallplatte, die er Elvis stolz überreichte – und der versprach, sie anzuhören. In späteren Interviews erklärte Elvis, daß er den deutschen Rock´n´Roller Ted Herold kenne.

Interview:

Am 9.September 1942 wurde Harald Schubring aka Ted Herold in Berlin geboren und begann Ende der 50er seinen Erfolgszug mit Liedern wie »Ich brauch keinen Ring« oder »Dixieland Rock« zuerst als die »deutsche Antwort« auf Elvis Presley und den »wilden« und »rebellischen« Gegenpart zu Peter Kraus. Doch schon sehr schnell überzeugt Ted mit eigenen Interpretationen und Songs und wurde zu einer festen Größe des deutschsprachigen Rock’n’Roll. Mit seinen Songs identifizierte sich eine ganze Generation von Rebellen. Mitte der 60er bis Mitte der 70er wurde es ruhig um Ted Herold, aber dann startete er Anfang der 80er im Fluss der Auferstehung der deutschen »Neo«-Rockabilly-Szene nochmal richtig durch. Lieder wie »Rock´n´Roll for President«, »Rockabilly Willy« oder »Ab heute nur noch Leder« prägten so manchen deutschen Rock’n’Roller und blieben bis heute haften. Seit dem ist Ted Herold ein beständiger Eckpunkt des deutschen Rock’n’Roll. 2016 erschien seine letzte CD mit dem Titel »Das ist Rock’n’Roll« im Duett mit Lars Vegas.
Weitere Informationen: www.tedherold.de

rockin and rollin: Ted, wie bist du zum Rock’n’Roll gekommen was fasziniert dich an der Musik?

Ted Herold: 1956 sah ich den 1. Elvis-Film 2 x in Deutsch und einmal in Berlin in Englisch. Danach wünschte ich mir zu Weihnachten ’56 eine Gitarre, die ich auch bekam.

rockin and rollin: Wie kam es dann zu deinem Einstieg in den professionellen deutschen Musikbereich und wie hast du persönlich deine ersten Erfolgen erlebt?

Ted Herold: Ich nahm meine Gitarre mit zu Schulausflügen und meine Mitschüler waren so begeistert, daß 2 Tische unter ihrem Gewicht zusammenbrachen. Eine Mitschülerin erzählte ihrem Vater, der bei einer Plattenfirma beschäftigt war, von mir und der Vater holte mich ab nach Frankfurt/M. Ich sang ihm einige Lieder vor und er beschloss, dass ich in einem Tonstudio einige Lieder einsang. Diese Proben schickte er nach Hamburg - Teldec Records und 2 Wochen später lud man mich ein, um 2 Titel aufzunehmen mit dem Orchester Bert Kämpfert.

rockin and rollin: Wie war das Gefühl, als du das erste Mal realisiert hast, dein Song wird im Radio und im Fernsehen gespielt?

Ted Herold: Naja, erst im Radio und ich war stolz auf mich. Begeisterung pur !!!

rockin and rollin: In den 50er waren die deutschen Rock’n’Roll Sänger noch sehr überschaubar. Wie war der Kontakt untereinander zu Musikern wie z.B. Conny Froboess, Freddy Quinn oder Gus Backus?

Ted Herold: Ich hatte zu allen Kollegen Kontakt und sehr guten, besonders zu Freddy Quinn.

rockin and rollin: Peter Kraus und Du, ihr habt schon seit den 50er, ich möchte es mal so ausdrücken, zwei Seiten einer Münze dargestellt. Nicht desto trotz gib es das gemeinsame Album »Ted & Peter Singen Elvis«. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie ist dein persönliches Fazit zu diesem ohne Frage sehr schönem Album?

Ted Herold: Nun, Peter und ich sangen im gleichen Studio in Wien, so kam es dann auch irgendwann zu diesem Album, was ich heute noch als sehr gelungen bezeichnen kann.Ich glaube, wie auch meine Fans sagten und die Presse schrieb, dass ich der Bessere bin.

rockin and rollin: Du hast sehr viele Elvissongs in Deutsch interpretiert und dem King auch einmal persönlich begegnet. Wie lief diese Begegnung ab und was hatte das für dich persönlich bedeutet?

Ted Herold: Elvis war ja während seiner Militärzeit in Friedberg stationiert, ca. 17 km entfernt von meiner Heimat Bad Homburg v.d.H. Eines Abends klingelte es wie wild bei mir, unten an der Haustür standen ein paar Klassenkameraden, die schrien: »Elvis ist hier !«

rockin and rollin: Ich persönlich liebe gerade deine späten Songs und ich gebe zu, deine Lieder in den 80er war für mich prägsam. »Ey, da spürt jemand den Rock’n’Roll im Herzen so wie ich. Und der singt auch noch darüber!« Deine Lieder waren fester Bestandteil bei jeder Party gewesen und jeder, den ich kannte, konnte sie mitsingen. Interessant wäre hier mal der Gegenpart aus deiner Sicht, was waren die 80er für dich und wie hast du sie wahrgenommen?

Ted Herold: Anfang der 80er hatte ich ja 5 Hits in Folge, was mir auch viel Geld brachte und auch viele neue Fans - somit waren die 80er das erfolgreichste Jahrzehnt, dass sich nie so wiederholte.

rockin and rollin: Viele deiner Fans sind zusammen mit dir und deiner Musik groß geworden und man »kennt« sich seit Jahren. Wie wichtig ist dir der Kontakt zu deinen Fans und haben sich daraus auch Freundschaften entwickelt, oder trennst du ganz stark zwischen Musiker und Privatmensch Ted Herold?

Ted Herold: Zu vielen meiner Fans entwickelten sich auch Freundschaften, die bei vielen bis heute anhalten.

rockin and rollin: Wie ist der Privatmensch Ted Herold?

Ted Herold: Manchmal so und manchmal so - will heißen: Ich bemühe mich, nett zu sein, was nicht immer gelingt. Ich kann auch böse sein, streite mich dann, bereue es aber schnell und entschuldige mich!

rockin and rollin: Mal ganz in Schnelle, ein Tag im Leben eines Ted Herold:

Ted Herold: Aufstehen ziemlich früh, frühstücken, ein wenig frische Luft schnappen - draußen ca. 30 - 40 Min. laufen, mittags mit dem Wagen einkaufen fahren, nachmittags am Computer arbeiten oder Gartenarbeit tätigen, abends essen und fernsehen.

rockin and rollin: Neben den sogenannten »alten« Fans, kann deine Musik auch weiterhin »neue« Fans für sich gewinnen. Meinst du das Feeling bei »alten« wie auch bei »neuen« Fans ist das Gleiche, oder musst du dich da bei deiner Musik und Ansprüchen der Fans unterscheiden?

Ted Herold: Nein, keinesfalls! Rock’n’Roll verbindet alt und jung.

rockin and rollin: Ted in den 50er, in den 80er und Ted Herold heute - wie würdest du ihn beschreiben?

Ted Herold:
50er: Jung und voller Begeisterung für Rock’n’Roll
80er: Nach der Beat-Ära wieder voll im Geschäft
Heute: 74 Jahre alt und kaum noch Auftritte

rockin and rollin: Wie siehst du die heutige Rock’n’Roll Szene?

Ted Herold: Ziemlich tot, man hört keinen R’u’R im Radio und fernsehmäßig passiert auch nichts

rockin and rollin: Ted Herold ist und bleibt ein Faktor und Musiker, der mit seinem Elan und Begeisterung auf der Bühne einfach umhaut. Der aber auch viele Höhen und Tiefen bewältigt hat, welche aber auch seine Entwicklung als Musiker beeinflusst haben. Wie siehst du das? Hatte dein Leben auch Einfluss auf deine Lieder und wenn ja, wie und welche?

Ted Herold: Ich habe ja sehr viele Songs selber geschrieben und viele dieser Lieder entstanden durch Erlebnisse und Gefühle, mal traurig und auch mal enthusiastisch. Manchmal träumte ich nachts und am nächsten Morgen war der nächste Song geboren.

rockin and rollin: Ich weiß aus eigener Erfahrung, das »Non-Plus-Ultra« ist immer noch die gemütliche Küchenecke bei einem Freund, wo mehrere Musiker ganz spontan zu Stimme, trommeln auf dem Küchentisch und der Gitarre greifen, um einfach aus Spaß an der Sache Musik zu machen und den Moment gemeinsam zu genießen. Gibt es diese Momente auch noch in deinem Leben oder sind sie mehr in den Hintergrund gerückt?

Ted Herold: Ich wohne mit meiner Ehefrau zusammen mit meinen Schwiegereltern - aber hier gibt es keine musikalischen Momente zusammen, nur ich interessiere mich weiterhin für Musik.

rockin and rollin: Gibt es einen Song, den du schon immer singen wolltest, aber bisher keine passende Gelegenheit dazu gefunden hast?

Ted Herold: Nein - ich wüsste keinen.

rockin and rollin: Du hast vor einiger Zeit zu einem neuen Plattenlabel gewechselt, was darf man durch diese neue Entwicklung erwarten?

Ted Herold: Es wurde 1 CD veröffentlicht, danach erwartete ich neue Titelvorschläge, aber dies ist schon Wochen her - da wird wohl nichts mehr kommen.

rockin and rollin: Ted, deine Wünsche und Pläne für 2017?

Ted Herold: Hoffentlich geht es musikalisch weiter und meine Gesundheit macht alles mit !

rockin and rollin: Magst du den Lesern noch ein Zitat aus deinen Songs mitgeben?

Ted Herold: Gib Dein (Euer) Ziel niemals auf!!!

rockin and rollin: Ich danke dir sehr für das Interview und wünsche dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg.

2 thoughts on “auf ein Bier mit Ted Herold

  • 08/11/2016 at 3:01
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    Er ist und bleib unser Bundes Elvis! Ich verehre diesen Mann, der für meinen Vater schon der Inbegriff des Rock,n’Roller war! Ich bin in der Kindheit mit Elvis, Eddy Cochran , Buddy Holly und Bill Haley groß geworden. In den 80’ern habe ich Teds Hits gehört neben den ACE Cats! Geb Dein Ziel niemals auf! Giganten , Rockabilly Willy, Ahua das waren super Songs, es gibt keinen der wie er deutschsprachigen Rock’n’Roll so geil rübergebracht hat! Neben Shakin Stevens war er für mich ganz klar die Person , die mich geprägt hat, musikalisch sowie im Lifesstyle! Noch heute bin ich dem Rock’n’Roll dem Rockabilly und anderen Spielarten des Rock’n’Roll total verfallen! Seit über 30 Jahren ! Gut das es Ted gab und gibt! Das er noch lange unter uns ist mein, unser Bundes Elvis! Der deutsche König des Rock ’n’Roll! Rockt on, Oliver „Mütze“ Schmuck

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    • 10/11/2016 at 10:03
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      Schönes Interview. Mir gings mit Ted Herold genauso…bei mir ging das Ganze mit Rock’n Roll & Co 1983 los und hält bis jetzt an Keep boppin‘ !!!

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