{"id":8896,"date":"2017-02-13T16:31:00","date_gmt":"2017-02-13T15:31:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/?p=8896"},"modified":"2017-12-13T20:47:20","modified_gmt":"2017-12-13T19:47:20","slug":"der-coole-typ-marianne-labisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/der-coole-typ-marianne-labisch\/","title":{"rendered":"Der coole Typ (Marianne Labisch)"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-8896\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-8896-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-8896-0-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-8896-0-0-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div\n\t\t\t\n\t\t\tclass=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"\n\t\t\t\n\t\t>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p align=\"justify\">\nAda Hofmann half ihren beiden Enkelkindern Lisa und Marie bei den Vorbereitungen zur Oldie Fete. Die beiden wollten die Zeit des Rock 'n' Roll wiederaufleben lassen und freuten sich diebisch, eine Zeitzeugin zu haben, die daf\u00fcr sorgte, dass alles stilecht wurde. Die Kleider samt Petticoat warteten darauf, durch die Luft gewirbelt zu werden. Ein uralter Schallplattenspieler war von Martin, dem Vater der M\u00e4dchen, ihrem Schwiegersohn, aufgetrieben und repariert worden. Zu Lisas sechzehnten Geburtstag hatte Martin das Vereinsheim der Fu\u00dfballer gemietet, wo bis nach Mitternacht gefeiert werden durfte. Jeder der G\u00e4ste war angewiesen worden, im 50er-Jahre Outfit zu erscheinen.<\/p>\n<p>\u00dcberall sah man gut gelaunte Gesichter. Die Vorfreude auf die Feier dominierte den ganzen Saal. Ada machte Knoten in die Luftballons, die Lisa aufblies. Martin legte eine Single auf und \u203aTom Dooley\u2039 erklang.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ada erbleichte, hielt den Atem an, taumelte und umklammerte die Tischkante.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lisa ging zur ihr und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ada nickte, machte allerdings immer noch einen schwachen Eindruck. Lisa st\u00fctze sie und f\u00fchrte sie zu einem Stuhl. Kreidebleich sa\u00df sie dort und schien in Gedanken ganz woanders zu sein. \u00bbOma? Was ist los? Ist dir nicht gut?\u00ab, fragte Lisa und bemerkte Tr\u00e4nen in Adas Augen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbOma? Alles in Ordnung mit dir?\u00ab, fragte sie erneut.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbDas Lied \u2026\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWas ist mit dem Lied?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbEs erinnert mich an fr\u00fcher.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbOmi? Du kippst mir jetzt nicht vom Hocker, oder?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ada atmete m\u00fchsam tief durch und zwang sich ein L\u00e4cheln ab. \u00bbNein, meine Kleine, ich kipp nicht um. Ich brauche nur einem Moment, um die Bilder zu verscheuchen.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWas ist damals passiert? So wie du aussiehst, muss es etwas Schlimmes gewesen sein.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbJa, das kann man wohl sagen. Ein Mensch kam ums Leben.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbOma! Das ist ja krass. Erz\u00e4hl!\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbAch, das ist eine alte Geschichte und sie passt nicht zu der frohen Laune, die hier herrschen sollte.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbEgal, Oma, jetzt hast du mich neugierig gemacht. Erz\u00e4hl!\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lisa schnappte sich einen Stuhl und setzte sich ihrer Gro\u00dfmutter gegen\u00fcber. Das schien ja mal interessant zu werden.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbEs ist lange her, ich war ungef\u00e4hr in deinem Alter, als ein neuer Junge in die Stadt zog, in den ich mich heftigst verliebte \u2026\u00ab Lisa sah, wie die Augen ihre Gro\u00dfmutter strahlten, und war gespannt, wie es weiter gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal fiel mir Tom auf, als er an einem Freitagnachmittag mit einer Kippe im Mundwinkel v\u00f6llig alleine am Nirgena stand und aussah wie ein Filmstar, den man irrt\u00fcmlich am Set zur\u00fcckgelassen hatte. Hier in Gevelsberg wussten die M\u00e4dels aus meiner Klasse damals immer schnell, wo neue Typen herkamen. Nicht nur das, meistens behauptete mindestens eine, sie wisse, was der Vater von Beruf sei, wo die Familie wohne und wie es mit den finanziellen Angelegenheiten auss\u00e4he. Au\u00dferdem fand man schnell heraus, auf welche Schule der Neuzugang ging und ob er mit Bus, Bahn, Fahrrad oder Moped kam.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich tippte auf Moped, weil es zu seiner Kleidung passte. Er trug ausgewaschene Jeans, die aussahen, als seien sie ihm auf den K\u00f6rper geschneidert worden, ein Hemd, dessen \u00c4rmel nachl\u00e4ssig aufgerollt waren und eine Lederjacke, die er sich \u00fcber die Schulter geworfen hatte. Auf mich machte er einen vertr\u00e4umten Eindruck; ganz so, als sei er tief in Gedanken versunken. Sein Blick, der mir folgte, strafte diese Vorstellung L\u00fcgen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Er gefiel mir auf Anhieb. Normalerweise erregten Dunkelhaarige eher mein Interesse. Dieser Typ hatte blondes Haar, das mir ein wenig zu lang vorkam.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Er sah einfach ungeheuer interessant aus. Ein Einzelg\u00e4nger, den man spontan davon \u00fcberzeugen wollte, dass es sich in Gesellschaft auch gut lebte. Einer von den harten Typen, durch dessen raue Schale man erst dringen musste. Eine Herausforderung.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bei dieser speziellen Sorte durfte man sein Interesse auf keinen Fall signalisieren. Nein, solche coolen Typen interessierten sich f\u00fcr Frauen, die sie erobern mussten. Deshalb beherrschte ich mich und blickte nicht zur\u00fcck. Erst als die Sparkasse hinter mir lag, lugte ich um die Ecke, nur um schnell zur\u00fcckzutreten. Er sah in meine Richtung! Mist! Wie peinlich. Hoffentlich hatte er mich nicht entdeckt.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Den ganzen Weg den B\u00f6rkey rauf hafteten meine Gedanken an ihm. Ob er wirklich beim Film arbeitete? Mit dem Aussehen w\u00e4re es bestimmt kein Problem. Aber dann k\u00f6nnte ich ihn gleich vergessen. Nie und nimmer w\u00fcrde mein Vater zulassen, dass ich mich mit so einem traf.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich schalt mich eine dumme Nuss. Ein Blick und schon tr\u00e4umte ich von einer Verabredung.<\/p>\n<p>Am Montag stand er an sein Moped gelehnt auf dem Parkplatz des Gymnasiums. Entweder er ging auf diese Schule oder er hatte jemanden gebracht. Mein Herz schlug schneller. Ich wollte an ihm vorbeigehen und so tun, als h\u00e4tte ich ihn nicht gesehen aber er blickte mir in die Augen und begr\u00fc\u00dfte mich mit einem: \u00bbHallo!\u00ab, als w\u00e4ren wir alte Bekannte.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Verdutzt blieb ich stehen und erwiderte seinen Gru\u00df.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbHallo \u2026\u00ab Krampfhaft suchte ich nach weiteren Worten und sprach dann das Offensichtliche aus: \u00bbDu bist neu hier.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbJa, das kann man sagen. Meine Eltern mussten unbedingt in dieses Schei\u00df-Kaff ziehen. Tom hei\u00dfe ich; und du?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Es kam mir komisch vor, wie er das Gespr\u00e4ch so ohne jegliches Gepl\u00e4nkel aufnahm, aber ich kann nicht behaupten, dass es mir unangenehm gewesen w\u00e4re. Ich sp\u00fcrte, wir erregten die Aufmerksamkeit einiger Mitsch\u00fcler.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbAda. Wo kommst du her?\u00ab, fragte ich.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbDas ist ein ungew\u00f6hnlicher Name, gef\u00e4llt mir. Wir kommen aus Berlin.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Pausenglocke ert\u00f6nte und wir machten uns auf den Weg ins Geb\u00e4ude.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWelche Klasse?\u00ab, fragte ich.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbDreizehn C. Und du?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbZw\u00f6lf A.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbSehen wir uns in der Pause?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbGern.\u00ab<\/p>\n<p>Susanne, Sylvia und Karin passten mich an der T\u00fcr zum Klassenzimmer ab.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWer ist denn das?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWoher kommt er?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWie hei\u00dft er?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWoher kennst du ihn?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich l\u00e4chelte und konnte mir gut vorstellen, wie neugierig sie sein mussten, deshalb tat, ich als w\u00fcsste ich nicht, worum es ging und schaute sie mit meinem aller unschuldigsten Engelsblick an. \u00bbWovon redet ihr?\u00ab, fragte ich und rauschte an ihnen vorbei auf meinen Platz zu.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie folgten mir auf dem Fu\u00df.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbJetzt tu nicht so. Du bist doch gerade mit einem Typen in die Schule gekommen, den ich heute zum ersten Mal sehe.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbGenau. Und ihr saht aus, als w\u00fcrdet ihr euch kennen.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbNun r\u00fcck schon raus mit der Sprache.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Micha, mein heimlicher Schwarm bis zu diesem Tag, der mich sonst geflissentlich ignorierte, lauschte unserem Gespr\u00e4ch. Das fand ich \u00e4u\u00dferst beachtlich. Sollte Micha einer von denen sein, f\u00fcr die man erst interessant wurde, wenn andere um die Gunst buhlten?<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbAch, ihr sprecht von Tom. Der ist neu. Er kommt aus Berlin. Ich treffe mich in der Pause mit ihm.\u00ab<\/p>\n<p>Die Textor, unsere Klassenlehrerin, betrat den Raum und unterband jeden weiteren Austausch.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich konnte mich kaum auf den Unterricht konzentrieren. Hatte ich schon einmal einen Jungen kennengelernt, mit dem ich so unkompliziert ins Gespr\u00e4ch gekommen war? Ohne 1000 Blicke hin und zur\u00fcck, ohne jede Albernheit?<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nein, aber das machte ihn noch besonderer. Er schien ein netter Kerl zu sein.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Gro\u00dfst\u00e4dter. Einer, der zehn M\u00e4dchen an jeder Hand hat, mischte sich mein fieses Unterbewusstsein ein. Den Gedanken schob ich schnell auf die Seite. Endlich war die Stunde um und ich entdeckte Tom in der Raucherecke.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Karin hielt mich zur\u00fcck. \u00bbDer ist doch gar nicht dein Typ\u00ab, sagte sie und ich h\u00f6rte heraus, dass er ihr sehr wohl gefiel.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbLass ihn mich erst mal richtig kennenlernen, dann sehen wir, ob er mein Typ ist\u00ab, antwortete ich und ging in Richtung Raucherecke.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mein Gro\u00dfmaulbruder Hans gesellte sich gerade zu den Rauchern und rempelte Tom dabei absichtlich an. Ich konnte ihn in solchen Momenten nicht ausstehen und sch\u00e4mte mich daf\u00fcr, mit ihm verwandt zu sein.<\/p>\n<p>Mona unterbrach ihre Gro\u00dfmutter. \u00bbDu hast einen Bruder? Warum kenne ich den nicht?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWeil der vor deiner Geburt bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einen Moment schien sie den Faden verloren zu haben, fuhr dann aber fort: \u00bbWo war ich? Ach ja, bei Hans \u2026\u00ab <\/p>\n<p>\u00bbHey, kannst du nicht aufpassen?\u00ab, schnauzte Hans Tom an. Tom trat einen Schritt zur\u00fcck und entschuldigte sich. Ich ging dazwischen. \u00bbDu brauchst dich nicht zu entschuldigen, wenn mein R\u00fcpelbruder dich anrempelt\u00ab, fauchte ich und stellte mich zwischen die beiden und warf meinen Bruder b\u00f6se Blicke zu. Der schob mich auf die Seite und wandte sich an Tom: \u00bbIch bin sicher, unser Neuer braucht keine Hilfe von einem M\u00e4dchen, oder?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bevor Tom antworten konnte, tat ich es: \u00bbNat\u00fcrlich braucht er keine Hilfe. Wenn hier einer Hilfe braucht, um sich vern\u00fcnftig zu benehmen, dann du!\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jetzt hatte ich ihn ernsthaft ver\u00e4rgert. Nicht genug damit, dass ich es wagte, meinem gro\u00dfen Bruder zu widersprechen, nein seine ganze Clique stand als Zeuge dabei. Ich wusste, das wurmte ihn ohne Ende. Aber er hatte angefangen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Und so zog ich Tom am Hemd\u00e4rmel aus der Gefahrenzone und sagte: \u00bbKomm, lass uns wohin gehen, wo wir uns in Ruhe unterhalten k\u00f6nnen.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich sp\u00fcrte seinen Widerstand, er f\u00fcrchtete sich nicht vor Hans und h\u00e4tte es ohne mein Einschreiten sicher darauf ankommen lassen, aber vor mir wollte er sich offensichtlich nicht provozieren lassen. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wahrscheinlich wusste er vor mir, dass dieser Konflikt irgendwann ohnehin zwischen den beiden ausgetragen werden w\u00fcrde und so folgte er mir.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbMein Bruder ist ein elender Wichtigtuer. Lass dich davon nicht beeindrucken.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbKeine Bange, ich kann mich schon selber wehren.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbDas bezweifle ich nicht, aber pass auf. Hans ist einer, der mit unfairen Mitteln k\u00e4mpft. Ich hasse es, dass ausgerechnet er mein Bruder ist.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das zauberte ein L\u00e4cheln auf sein Gesicht. Er strich mir \u00fcber den Arm und meinte: \u00bbUnsere Verwandtschaft k\u00f6nnen wir uns nicht aussuchen. Ich h\u00e4tte auch gerne andere.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbHast du auch Geschwister?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbNein, aber meine Eltern reichen voll.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nun grinste ich. \u00bbJa, Eltern k\u00f6nnen schrecklich sein.\u00ab<\/p>\n<p>Wir trafen uns in jeder Pause und verabredeten uns f\u00fcr das Wochenende zum Tanztee. Wir verstanden uns ohne viel Worte, oft reichte in Blick und wir l\u00e4chelten alle beide, aber wir konnten auch \u00fcber alles offen reden.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wir tauschten uns \u00fcber unser Eltern aus und versprachen einander, niemals so spie\u00dfig zu werden. Wir tr\u00e4umten von einer Welt ohne Leistungsdruck, w\u00fcnschten uns, dass Musiker, Schriftsteller und Schauspieler ebenso angesehen w\u00e4ren wie \u00c4rzte und Rechtsanw\u00e4lte. Wir schimpften auf alte Nazis, die sich immer noch \u00fcberall versteckten und wir teilten die Liebe zur Musik. Dieser Rock, der da aus Amerika hin\u00fcberschwappte, den liebten wir beide.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das war Musik, das war das Leben, die Rebellion, Freiheit!<\/p>\n<p>Zu Hause musste ich meinen Bruder ertragen, der Tom nach\u00e4ffte oder sich \u00fcber ihn lustig machte. Keine Ahnung, warum er sich so auf ihn einschoss. Vermutlich f\u00fcrchtete er um seine F\u00fchrerrolle. Hans war einer von den Rowdys, die \u00fcberall \u00c4rger suchten und zu Hause das Unschuldslamm gaben.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich h\u00e4tte seine Eskapaden besser ertragen, wenn er sich treu geblieben w\u00e4re und seine Rebellion auch daheim ausgetragen h\u00e4tte, aber diese Menschen mit zwei Gesichtern, die konnte ich nicht ausstehen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nat\u00fcrlich w\u00fcrden Hans und seine Kumpels ebenfalls zum Tanztee kommen. Ich hoffte, dass es nicht zu einer Schl\u00e4gerei zwischen den beiden kam.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter w\u00fcrden sie aneinandergeraten und ich hoffte, dass es unblutig abgehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Band spielte genau die Musik, die uns so gut gefiel. Tom kam mit Olaf im Schlepptau aufs Fest. Wo und wie die beiden sich kennengelernt hatten, wusste ich nicht. Olaf ging auf die Sonderschule und war Ziel von Spott und H\u00e4me. Er konnte nichts daf\u00fcr, dass ihm oft der Speichel aus dem Mund lief, aber ich fand es absto\u00dfend. Ich mied ihn, aber ich machte mich nie \u00fcber ihn lustig. Tom nun ausgerechnet mit Olaf zu sehen, wunderte mich. Zielstrebig kamen die beiden auf mich zu. Voller Bewunderung blickte Olaf zu Tom auf. Es sah fast aus, als h\u00e4tte er ihn als gro\u00dfen Bruder adoptiert, oder als Vaterersatz.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbDu kennst Olaf?\u00ab, fragte Tom.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbNaja, ich wei\u00df, auf welche Schule er geht und wo er wohnt, ich kenne ihn nur vom Sehen.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Olaf strahlte mich an, als w\u00fcrde Freundschaft durch Anwesenheit \u00fcbertragen und hielt mir seine Hand hin. \u00bbAllo Ada\u00ab, nuschelte er.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich sch\u00fcttelte seine schlaffe Hand und versp\u00fcrte sofort das Bed\u00fcrfnis, sie abwischen zu m\u00fcssen. Ich konnte mich gerade so beherrschen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Obwohl Olaf alleine ganz gewiss nie auf diese Feier gekommen w\u00e4re, schien er sich in Toms Gegenwart vollkommen sicher zu f\u00fchlen. Die Band verk\u00fcndete einen Fats Domino Set. Olaf strahlte, sagte: \u00bbDiekannichalle\u00ab, ging geradewegs auf die B\u00fchne und verlangte den Bass vom Bassisten. Die Band emp\u00f6rte sich und schon standen die Ersten bereit, die sich auf Krawall freuten.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tom eilte Olaf zu Hilfe. \u00bbLass es ihn mal probieren. Wenn es nichts taugt, gibt er dir das Instrument zur\u00fcck, nicht wahr, Olaf?\u00ab Olaf nickte und verspr\u00fchte Speichel. Der Bassist brachte sich in Sicherheit und \u00fcberlie\u00df Olaf seinen Bass. Die H\u00e4me strahlte aus seinem Gesicht. Offensichtlich erwartete er eine \u00f6ffentliche Blamage und stand bereit, in diesem Fall direkt zur\u00fcckzukehren.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Schlagzeuger gab den Takt vor und die Band spielte. Olaf zupfte die Saiten mit den Fingern und lie\u00df den Bass anst\u00e4ndig wummern. Niemand h\u00e4tte vermutet, dass er ein solches Naturtalent sein w\u00fcrde. Sein Gesicht gl\u00e4nzte und er strahlte mit den Scheinwerfern um die Wette. Die Musik lag ihm im Blut.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach dem ersten St\u00fcck gab es keine Einw\u00e4nde mehr, selbst nicht vom urspr\u00fcnglichen Bassisten. Der vergn\u00fcgte sich stattdessen an der Theke, wo eine Eroberung in Aussicht stand.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tom und ich tanzten. Wir fegten \u00fcbers Parkett, als h\u00e4tten wir jahrelange Praxis. Er wirbelte mich durch die Gegend wie eine Feder.<\/p>\n<p>Hans und Konsorten st\u00fcrmten herein. Man sah und roch, dass sie sich vorab einige Drinks genehmigt hatten. Sie strahlten Krawalllaune aus. Micha aus meiner Klasse schien das neuste Mitglied der Gang zu sein. Sie standen im Raum und suchten Streit. Die Band verstummte, bis auf Olaf, der langsamer mitbekam, wie sich die Atmosph\u00e4re ver\u00e4nderte.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWas treibt der Spasti da oben? Muss der nicht l\u00e4ngst im Heiabettchen liegen?\u00ab, gr\u00f6lte die Dumpfbacke Joachim. Alleine unterwegs stritt er sich nie mit irgendwem, der brauchte seine Kumpels, um \u00fcberhaupt den Mund aufzubringen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hans st\u00fcrmte auf die B\u00fchne, entriss Olaf das Instrument und scheuchte ihn runter. \u00bbHau ab, du Bl\u00f6dmann. Wir haben keinen Bock auf Hirnis.\u00ab Olaf triefte. Ein Tropfen Speichel landete auf Hans Arm. Hans schubste Olaf um und h\u00e4tte sich auf ihn gest\u00fcrzt, wenn Tom nicht dazwischen gegangen w\u00e4re.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbLass ihn in Ruhe. Wenn du dich pr\u00fcgeln willst, dann such dir jemanden, der es mit dir aufnehmen kann.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Er schob Olaf aus der Gefahrenzone und gab mir mit seinem Blick zu verstehen, dass ich ihn in Sicherheit bringen sollte. Dazu hatte ich keine Lust. Ich wollte nicht, dass Hans und Tom aufeinander losgingen, aber wenn sie es taten, dann musste ich dabei sein. So brachte ich Olaf an den Tresen und bat den dicken Martin, ein Auge auf ihn zu haben.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbUnd meinst du, du k\u00f6nntest es mit mir aufnehmen?\u00ab, h\u00f6hnte mein Bruder.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbNat\u00fcrlich kann ich das! Wozu soll es gut sein, wenn wir uns pr\u00fcgeln?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbDas k\u00f6nnte dir vielleicht ein paar Manieren beibringen\u00ab, schrie Hans und zerrte Tom nach drau\u00dfen. Seine Kumpane folgten den beiden und der halbe Saal schloss sich ihnen an. Schnell bildeten die Zuschauer eine Art Ring und feuerten die Kontrahenten an.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zuerst umtanzten sie einander, wie Boxer. Hans Schritte wirkten unsicher. Zu viel Alkohol, aber die Wut trieb ihn an. Er holte aus und Tom machte einen Schritt zur Seite. Das wiederholte sich ein paar Mal und ich erkannte, wie sehr das seine Wut nur noch mehr anfeuerte.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Irgendjemand im Raum warf die Jukebox an. \u203aGreat balls of fire\u2039 ert\u00f6nte und brachte die Leute weiter in Rage.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbHans, Hans, Hans\u00ab, skandierte die Menge.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wieder und wieder versuche er, Treffer zu landen, denen Tom jedes Mal auswich.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbDas nennst du einen Kampf?\u00ab, fragte Hans.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbIch wollte mich nicht schlagen\u00ab, entgegnete Tom. Ich vermutete, dass er darauf baute, dass Hans Energie schnell verbraucht sein w\u00fcrde und sie dann gemeinsam den Ring verlassen konnten, ohne einen Tropfen Blut vergossen zu haben. Aber so tickte mein Bruder nicht, er zog sein Klappmesser und fuchtelte Tom damit vor der Nase herum. Mein Vater hatte Hans das Messer weggenommen und ich wusste nicht, wie und wann er es sich zur\u00fcckgeholt hatte. Einzelne Beobachter zogen h\u00f6rbar die Luft ein. Es fand sich niemand, der dem Treiben ein Ende bereitete.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbNa, wie sieht es jetzt aus?\u00ab, h\u00f6hnte Hans.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tom wurde blass, schien dennoch nicht kneifen zu wollen. Beide schwitzten.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Pl\u00f6tzlich sah ich Olaf aus dem Augenwinkel. Seine Unterlippe hing schlaff hinab, er zitterte und fixierte Tom mit einem Blick, aus dem Unglaube sprach.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aus der Kneipe erklang:<\/p>\n<p><em>hang down your head, Tom Dooley<br \/>\nhang down your head and cry<br \/>\nhang down your head, Tom Dooley<br \/>\npoor boy you're bound to die *<\/em><\/p>\n<p>Obwohl Olaf keine Silbe Englisch verstand, schien er den Sinn der Worte zu begreifen und wollte seinem neuen Freund zu Hilfe eilen. Es ging alles so schnell, dass ich ihn nicht daran hindern konnte.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbNein! Tom is mein Freund. Tu ihm nix!\u00ab, schrie er und lief auf Hans zu, der gerade wieder mit der Messerhand zustach. Ich kann nicht sagen, ob er in n\u00fcchternem Zustand schnell genug gewesen w\u00e4re, aber jetzt konnte er die Bewegung nicht stoppen und die Klinge verschwand komplett in Olafs Bauch. Mit einem Mal herrschte Stille. Nur die Musik spielte weiter.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tom fing sich als Erster. \u00bbHolt einen Krankenwagen! Sofort!\u00ab, br\u00fcllte er. Hans sank auf seine Knie und beteuerte immer wieder: \u00bbDas hab ich nicht gewollt. Wo kam der auf einmal her?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tom bettete Olafs Kopf auf seinen Oberschenkel und bem\u00fchte sich, ihn zu beruhigen: \u00bbAlles wird gut, Olaf. Halte durch. Der Krankenwagen kommt gleich.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nein, nicht einschlafen, Olaf. Komm, erz\u00e4hl mir, wo du gelernt hast, den Bass so genial zu spielen.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich sah, wie Olafs Adamsapfel auf und ab h\u00fcpfte, nahm aus dem Augenwinkel wahr, dass Micha in die Kneipe st\u00fcrzte, vermutlich, um den Rettungswagen zu alarmieren, und entdeckte die Tr\u00e4ne, die sich aus Toms Auge l\u00f6ste und im Zeitlupentempo auf Olafs Stirn platschte. Als N\u00e4chstes bemerkte ich, dass Olafs Brust sich nicht mehr hob und senkte. Die Menge l\u00f6ste sich auf. Fassungslos blickte ich den Leuten nach. Die gingen einfach davon, als w\u00e4re nichts geschehen. Die Polizei w\u00fcrde Fragen stellen. Ich bem\u00fchte mich, mir alle einzupr\u00e4gen, die pl\u00f6tzlich Wichtigeres zu tun hatten. Wie konnte nur aus einem sch\u00f6nen Abend so ein Albtraum werden?<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mein Bruder \u2013 ein M\u00f6rder; ich konnte es nicht fassen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Sirenen erklangen und dann wimmelte es nur so von Polizisten.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wir alle wurden mehrfach verh\u00f6rt, Hans wurde abgef\u00fchrt. Er leugnete nichts.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach einer Weile nahm meine Mutter mich auf die Seite. Ich wusste nicht, wo sie herkam. Sie fuhr mich nach Hause. Vater sei mit dem Anwalt auf der Polizeiwache, um Hans beizustehen, berichtete sie.<\/p>\n<p>Obwohl ich eben noch dachte, die Aufregung w\u00fcrde mir in dieser Nacht den Schlaf rauben, fielen mir die Lider zu, kaum, dass ich mich aufs Sofa legte.<\/p>\n<p>Lisa blickte ihre Gro\u00dfmutter aufmerksam an. Das Beben der Lippen lie\u00df nach, sie hing ihren Gedanken nach, aber Lisa wollte den Rest der Story auch noch h\u00f6ren.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbUnd? Kam dein Bruder in den Knast?\u00ab, fragte sie.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein vertr\u00e4umtes L\u00e4cheln umspielte Adas Lippen. \u00bbNein. Er wurde auf Bew\u00e4hrung verurteilt. F\u00fcr ihn sprach, dass er betrunken war und nicht aktenkundig. Du wirst es nicht glauben, aber die Sache machte einen besseren Menschen aus ihm. Ich wei\u00df nicht, ob das gegl\u00fcckt w\u00e4re, wenn es anders gelaufen w\u00e4re. Er hat es sich nicht einfach gemacht, ging pers\u00f6nlich zu Olafs Mutter und konnte ihr glaubhaft versichern, dass er Olaf nicht t\u00f6ten wollte. Er hat sie danach unterst\u00fctzt, so gut er konnte.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWie unterst\u00fctzt? Er ging doch noch zur Schule?\u00ab, fasste Lisa nach.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbEr hat die Arbeiten \u00fcbernommen, die Olaf vorher gemacht hat. Er m\u00e4hte den Rasen, ging einkaufen und begleitete sie bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen. Er hat es wirklich bereut.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einen Moment schwiegen beide, dann fragte Lisa: \u00bbUnd dein Tom?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Seine Eltern steckten ihn in ein Internat. Sie waren es leid, dass er Schwierigkeiten magisch anzog und nach einem Jahr oder so zogen sie weg. Ich habe ihn nie wieder gesehen.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbOh, wie traurig, Omi.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbJa, das ist traurig, aber wir waren jung damals und bei jungen Leuten h\u00e4lt so eine Trauer nicht lange\u00ab, sie machte eine kurze Pause, \u00bbund ich h\u00e4tte mich sicher auch heute nicht daran erinnert, wenn nicht dieses Lied gewesen w\u00e4re.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lisa stand auf, reichte ihrer Gro\u00dfmutter die Hand und zog sie hoch.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWei\u00dft du, wie ich ihn mir vorstelle?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ada sch\u00fcttelte den Kopf. \u00bbNein, wie?\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00bbWie James Dean.\u00ab<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ada \u00fcberlegte kurz und antwortete: \u00bbJa, das kommt ungef\u00e4hr hin.\u00ab Beide lachten und st\u00fcrzten sich ins Geschehen.<br \/>\n\u00a0<br \/>\n<em>* Tom Dooley vom Kingston Trio erst\u00fcrmte 1958 in Amerika die Charts. Die erste Aufnahme stammte vom Old Time-Duo Grayson und Whitter das den Titel Tom Dooley \/ On The Bank of The Old Tennessee am 30. September 1929 f\u00fcr Victor mit Violine und Gitarre aufnahm.<\/em> <\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div id=\"pgc-8896-0-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-8896-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-8896-0-1-0\" ><div\n\t\t\t\n\t\t\tclass=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"\n\t\t\t\n\t\t>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p><strong>Autorin: Marianne Labisch <\/strong><\/p>\n<p>Marianne Labisch wurde 1959 in M\u00fcnchen geboren.<br \/>\n2010 erschienen ihre ersten zwei Kurzgeschichten im Wortkuss Verlag<br \/>\nSie schreibt auch unter dem Pseudonym Diane Dirt.  <\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div id=\"panel-8896-0-1-1\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor\" data-index=\"2\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-8896-0-1-1\" ><div\n\t\t\t\n\t\t\tclass=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"\n\t\t\t\n\t\t>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p><strong>Bibliographie:<\/strong><\/p>\n<p><em>ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit<\/em><\/p>\n<p><strong>Ausbruch <\/strong><br \/>\nin: Enter Sandman. Inspiration Metallica<br \/>\nReihe: AndroSF 34<br \/>\nHerausgeber: Michael Haitel<br \/>\nTaschenbuch, 210 Seiten<br \/>\np.machinery, 14. August 2013<br \/>\nTitelbild: Lothar Bauer<br \/>\nISBN-10: 3942533715<br \/>\nISBN-13: 978-3942533713<br \/>\nErh\u00e4ltlich bei: <a href=\"http:\/\/amzn.to\/2ynja89\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Amazon<\/a><br \/>\n\u00a0<br \/>\n<strong>Revenge als Diane Dirt<\/strong><br \/>\nin: Bullet und andere Storys aus dem MegaFusion-Universum<br \/>\nReihe: sternwerk 2<br \/>\nHerausgeber: Sven Kl\u00f6pping<br \/>\np.machinery, Oktober 2014<br \/>\nTaschenbuch, 193 Seiten<br \/>\nTitelbild und Illustrationen: Lothar Bauer<br \/>\nISBN-10: 3957650151<br \/>\nISBN-13: 978-3957650153<br \/>\nErh\u00e4ltlich bei: <a href=\"http:\/\/amzn.to\/2nZuR55\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Amazon<\/a><br \/>\n\u00a0<br \/>\n<strong>Meister Shini als Diane Dirt <\/strong><br \/>\nin: Der letzte Turm vor dem Niemandsland<br \/>\nHerausgeber: Michael Schmidt<br \/>\np.machinery, September 2017<br \/>\nTaschenbuch, 282 Seiten<br \/>\nCover: Detlef Klewer<br \/>\nISBN-10: 3957651042<br \/>\nISBN-13: 978-3957651044<br \/>\nErh\u00e4ltlich bei: <a href=\"http:\/\/amzn.to\/2ymXpoU\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Amazon<\/a> <\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div id=\"panel-8896-0-1-2\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-last-child\" data-index=\"3\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-8896-0-1-2\" ><div\n\t\t\t\n\t\t\tclass=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"\n\t\t\t\n\t\t>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p><strong>Disclaimer<\/strong><br \/>Die Charaktere dieser Geschichte, sowie alle Handlungen sind geistiges Eigentum des Autors. Alle \u00c4hnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten oder Handlungen sind rein zuf\u00e4llig und nicht beabsichtigt. Der Autor verfolgt kein kommerzielles Interesse an der Ver\u00f6ffentlichung dieser Geschichte. <br \/>Freigabe zur Weiterver\u00f6ffentlichung besteht, soweit vom Autor nicht anders angegeben nur f\u00fcr \"rockin-and-rollin.de\". F\u00fcr alle weiteren Ver\u00f6ffentlichungen ist die schriftliche Zusage des Autors erforderlich.<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ada Hofmann half ihren beiden Enkelkindern Lisa und Marie bei den Vorbereitungen zur Oldie Fete. Die beiden wollten die Zeit des Rock &#8217;n&#8216; Roll wiederaufleben lassen und freuten sich diebisch, eine Zeitzeugin zu haben, die daf\u00fcr sorgte, dass alles stilecht wurde. Die Kleider samt Petticoat warteten darauf, durch die Luft gewirbelt zu werden. Ein uralter Schallplattenspieler war von Martin, dem Vater der M\u00e4dchen, ihrem Schwiegersohn, aufgetrieben und repariert worden. Zu Lisas sechzehnten Geburtstag hatte Martin das Vereinsheim der Fu\u00dfballer gemietet, wo bis nach Mitternacht gefeiert werden durfte. Jeder der G\u00e4ste war angewiesen worden, im 50er-Jahre Outfit zu erscheinen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"episode_type":"","audio_file":"","cover_image":"","cover_image_id":"","duration":"","filesize":"","date_recorded":"","explicit":"","block":"","filesize_raw":"","footnotes":""},"categories":[456,12],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8896"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8896"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8896\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8903,"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8896\/revisions\/8903"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8896"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8896"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.rockin-and-rollin.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8896"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}